Briefe #2 – SZ und die Abstammungsfrage

Leserbrief auf diesen SZ-Artikel

Sehr geehrte Damen und Herren,
mir erschließt sich der Sinn der Erwähnung der Herkunft der Menschen, über die Sie in Ihrem Artikel schreiben nicht. Inwieweit ist es für das Verständnis der Sachlage wichtig, dass Täter und Opfer in Deutschland lebende Kosovaren waren?
Oder waren es deutsche mit kosovarischer Herkunftsgeschichte?
Mir ist zwar bewusst, dass Menschen aus Kriegsgebieten bestimmten traumatischen Belastungen unterlegen sind, die bestimmtes Handeln und Denken mitverursachen können, so nimmt Ihr Artikel jedoch keinen qualifizierten Bezug hierauf. Auch scheint dieser Umstand, zumindest lässt Ihr Artikel davon nichts verlauten, nicht Bestandteil des Prozesses gewesen zu sein.
Es wird lediglich, wie aus dem Zusammenhang gerissen, impliziert, dass es sich bei den genannten Personen, um nicht-Deutsche handelt.
Die Erwähnung der Herkunft von Täter und Opfern kann also lediglich aus zwei Motiven heraus geschehen sein:
1) Der Autor wollte bewusst oder unbewusst implizieren, dass es sich um ein parallelgesellschaftliches Phänomen handelt. Hierfür gibt es aber, mit Ausnahme der Abstammung der Beteiligten, keinen Anhalt. Und allein die Abstammung für eine solche Unterstellung heranzuziehen, würde einen mehr als faden Beigeschmackt hinterlassen.
2) Es war unbedacht und lediglich einem prosaischen Erzählstil gezeugt, um den Leser bei Laune zu halten. Dann allerdings muss ich mich fragen, wieso nicht beim ebenfalls im Artikel erwähnten Richter oder den genannten Polizisten angegeben wurde, welcher Abstammungslinie sie entspringen.
Auch erschließt sich mir nicht, wieso ein pathoserregendes Zitat über in-Deutschland-läuft-das-anders einen relevanten Bezug zum Tatgeschehen herstellen soll. Sollen hier Unterschiede zwischen einer „zivilisierten“ und einer „unzivilisierten“ Welt hergestellt werden?
Wenn Sie sich einmal im öffemtlichen Raum, unter „Deutschen“ umhören, was zum Beispiel mit Sexualverbrechern geschehen solle, so ist es um den Drang des Bürgers zur Selbstjustiz nicht weit. Und auch prügelnde Ehemänner liegen dabei nicht hoch im Kurs.

Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.

Mit freundlichen Grüßen
Kh Arma