Mein Rassismus #4

Hamburg, Kreuzung, 20.​12.​2013

Die meisten Dinge, über die man sich ärgert passieren (zumindest gefühlt) im Straßenverkehr. Ich wartete vor einigen Tagen auf den Bus, Kopfhörer in den Ohren, als mir eine irgendwie aufsehenerregende Verkehrssituation auffiel. Ich könnte gar nicht mehr genau sagen, was genau so aufsehenerregend war, vermutlich lag einfach eine gewisse Spannung in der Luft. Ich nahme meine Kopfhörer raus und betrachtete das Bild.
Zwei Autos standen sich gegenüber. Er wollte abbiegen, sie gradeaus durchfahren. Sie traute sich allerdings nicht so richtig, weil immer mal wieder Querverkehr kam.
Irgendwann platze ihm der Kragen und sein Auto schoss einen Meter vor. In genau diesem Moment fuhr auch sie los…
Er riss seine Tür auf und schrie sie an… Wie sie so blöd sein könne… Warum sie ihren Führerschein nicht gleich zerreiße und so weiter…
Sie riss ihrer Tür auf, beleidigte ihn einmal ordentlich durch und fuhr weg. Dabei fiel mir ihr Akzent auf… Spanierin, vielleicht…

Als er dann, immer noch fluchend, abbog und an meiner Haltestelle vorbei kam, dachte ich so bei mir:
„Der hat sie bestimmt wegen ihrer Herkunft so angeschnauzt… Klar… Der Typ muss ein Rassist sein.“

…wo ich das her hatte? Keine Ahnung.
Jedenfalls war ich es, und nicht er, der ihre vermeindliche Herkunft ins Spiel gebracht hatte. Wenn auch nur, um ihm daraus einen Strick zu drehen…